Wer heute die Treppen in den Sinkkasten hinauf geht und sich dabei ernsthaft Gedanken über den Namen, seine Herkunft und Bedeutung macht, mag irritiert darüber sinnieren, wie das alles zusammen passt. Ihm sei versichert: es gab einen Sinkkasten vor der Brönnerstraße. Denn nach seiner Gründung 1971 war der Arts Club (wie er damals hieß und heute wieder heißt) acht Jahre lang in der Mainstraße zuhause. Und da musste man steile Stufen in ein pittoreskes Kellergewölbe hinunter steigen, bevor man sich um die Bar herum einen Platz suchte, von dem aus man auch einen guten Blick auf die Bühne erhaschen konnte, um regional, national und international bedeutende Gruppen unterschiedlichster Genre hautnah erleben zu können. Hier, unter der Straßendecke angekommen, machte der Name wirklich Sinn. Sinkkasten oder auch – so der korrekte Terminus technicus – Straßenablauf, umgangssprachlich Gully wie uns Wikipedia aufklärt.
Längst selbst schon Legende, zog der Sinkkasten 1979 in die Innenstadt in Räumlichkeiten um, die zuvor das Zoom (in dem in den 70’s alles auftrat, was in der Rockszene Rang und Name hatte) und das Storyville beherbergt hatten. 2010 hätte man das 55. Jubiläum der Lokalität feiern können – so lange ist es her, dass der Impressario Horst Lippmann, später Partner von Fritz Rau, nach dem Jazzkeller und dem Jazzfestival auch den Jazzclub Storyville in der Stiftstraße (der Eingang war damals an der heutigen Rückfront, wo das Café mit schöner Fensterfront sonntags zum See & Cake bei Kaffee und Kuchen mit Live-DJs einlädt) ins Leben rief. Wann immer er in Frankfurt auf der Bühne steht, erinnert sich Van Morrison wie zuletzt bei seinem Konzert in der Jahrhunderthalle an seine Wochenengagements für eine Handvoll Deutschmark in dieser Wiege des Jazz mitten in Deutschland.
An Tradition also mangelt es den Räumlickeiten nicht und wenn dann 2011 das 40-jährige Bestehen des Sinkkasten gefeiert wird, zeugen noch der alte Storyville-Spiegel gegenüber der Bar, einige Jugendstilfenster rechts neben der Bühne und die vielen alten Programmhefte über der Garderobe von der glorreichen Vergangenheit mit Namen wie – genauso bunt gemischt wie in dieser Auflistung – Gil Evans, Jango Edwards, Badesalz, Mundstuhl, Helge Schneider, Guildo Horn & die orthopädischen Strümpfe, Ton Steine Scherben, Tim Curry, Herman Brood, Konstantin Wecker, Charles Mingus, Alexis Korner, Dexter Gordon, Chet Baker, Herbie Hancock, Alfred Harth, Andreas Vollenweider, Albert & Emil Mangelsdorff, Canned Heat, The Pretty Things, U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern, Midnite Fun, Beatles Revival Band, Rosenstolz, Chris Farlowe, Peter Green, Spider Murphy Gang, Stan Webb und Long John Baldry auf der Bühne.
Jetzt aber gilt es, den Sinkkasten Arts Club im neuen Jahrtausend ankommen zu lassen. Für viele in der Szene überraschend übergab Geschäftsführer Rudi Link im September 2010 die Betriebsleitung an Elise Henning und Nina Kreusel, die nun für die Bereiche Gastro, Personal und Booking verantwortlich zeichnen. Attraktive Innenstadtlage, tolle Räumlichkeiten und eine spezielle Atmosphäre sprachen schon immer für den Club. Ein frischer, heller Anstrich, der neue Internet-Auftritt und das Programmheft-Design zielen auf ein jüngeres Publikum. Aber auch Fans der 80er/90er-Disco bleiben willkommen. Und auch Rockklassiker wird man noch auf der Bühne erleben können. Ob DJs oder Livebands – Qualität und Abwechslungsreichtum gehören zum Credo des Sinkkasten Artsclub. Wer das Programm studiert, wird diese Idee manifestiert finden.
Pressestimmen im September 2010
„Nina Kreusel und Elise Henning – die Doppel-Fontäne des Sinkkasten.Jungbrunnens – erfinden die Frankfurter Club-Institution behutsam neu.“ Welt kompakt
„Jung und hip, ohne das klassische Publikum zu vergraulen.“ Bild Frankfurt
„Frischer Wind – Elise Henning und Nina Kreusel pusten den Sinkkasten durch.“ Frankfurter Neue Presse
„Neu hinzu kommen ambitionierte Partyreihen wie der ,Kunstclub´ und ,Synthetics´. Außerdem: kleine, feine Konzerte von spannenden Indiebands.“ PRINZ Frankfurt
„Den Wandel im Programm spiegelt die Umgestaltung des Clubs; Das charakteristische Orange an Theke und Toilettenwänden wich einem Ochsenblutrot und Grau, die Beleuchtung wird sanfter, die Kinosessel und der 80er-Jahre-Discotanzboden aus Blech bleiben, der olle Billardtisch und viele Möbel und Lampenschirme fliegen raus. So ist mehr Raum für Neues.“ Frankfurter Rundschau



